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Beim Weißenfelser Neujahrsempfang rückt der Strukturwandel in den Fokus

Unter dem Motto „Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet“ hatte Oberbürgermeister Robby Risch am 9. Januar 2019 zum Neujahrsempfang der Stadt Weißenfels in das Kulturhaus eingeladen. Die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Prof. Dr. Claudia Dalbert richtete ein Grußwort an die knapp 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das musikalische Rahmenprogramm des Neujahrsempfangs gestalteten in diesem Jahr die Schülerinnen und Schüler des Goethegymnasiums, die Stücke aus ihrem neuen Musical-Projekt „Robin Hood“ vorstellten. Einen Auftritt hatten am Ende der Veranstaltung auch die Sternsinger der katholischen Gemeinde Weißenfels. Sie sammeln in diesem Jahr Spenden für behinderte Kinder aus Peru.

Im Rahmen des Neujahresempfangs ehrt die Stadt zudem traditionell Mitmenschen, die sich langjährig und ehrenamtlich in Weißenfels engagieren. Oberbürgermeister Robby Risch und Stadtratsvorsitzender Jörg Freiwald überreichten Ehrennadeln an Margrit Franke, Olga Polienko und Lothar Wolff. Lobende Worte gab es auch noch einmal für den neuen Weißenfelser Ehrenbürger Wilfried Schreier. Das Ehrenbürgerrecht wurde ihm Mitte Dezember 2018 verliehen. Der 87-Jährige nutze den Neujahrsempfang nun, um sein Geschenk in Höhe von 500 Euro an den Verein Sudetendeutsche Landsmannschaft in Weißenfels zu überreichen. Vorstand Joachim Nerke nahm die Spende entgegen. Die Kreisgruppe wird vom 29. April bis 23. Mai 2019 die Ausstellung „Die Sudetendeutschen“ in der Klosterkirche Langendorf präsentieren. Für die Schau soll das Geld genutzt werden.

Die Neujahrsrede von Oberbürgermeister Robby Risch stand ganz im Zeichen des Veranstaltungsmottos. Obwohl es bis zur Kommunalwahl am 26. Mai 2019 noch etwas Zeit ist, rief er die Weißenfelserinnen und Weißenfelser schon jetzt auf, zahlreich an der Wahlurne zu erscheinen. „Bei der vergangenen Wahl im Jahr 2014 lag die Wahlbeteiligung lediglich bei 38 Prozent. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine hohe Wahlbeteiligung auch manch stupiden Protest relativiert. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten“, sagte Risch. Für den neu zu wählenden Stadtrat wünschte er sich, dass dieser deutlich weiblicher, multikultureller und auch etwas jünger wird, um die gesamte Breite der Einwohnerschaft besser abzubilden. Schließlich gäbe es derzeit nur neun Frauen im Stadtrat, obwohl es bei einer gleichmäßigen Geschlechterverteilung 20 Rätinnen sein müssten. Die Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund hat derzeit sogar gar keinen Vertreter im Stadtrat. „Bei immerhin 4.000 EU-Bürgern, die ihren Wohnsitz dauerhaft in unserer Stadt haben, müsste es rein rechnerisch aber vier bis fünf Stadträte mit Migrationshintergrund geben“, sagte der Oberbürgermeister.

Passend zum Besuch der Landesministerin war auch der Strukturwandel in der Region ein Thema. Robby Risch äußerte seine Befürchtungen, dass ein Enddatum für den Kohleabbau deutlich früher kommen wird, als von vielen erwartet. Er forderte deshalb zeitnahe Entscheidungen von den verantwortlichen Politikern. „Wir brauchen das Bekenntnis zu einem Standort. Der muss nicht an der A9 in Weißenfels liegen, wenn es bessere Alternativen gibt. Aber das sollte längst entschieden sein“, sagte Risch. Das Pendeln zwischen dem Industriepark Elsteraue mit dem Schwerpunkt der chemischen Industrie und einem nicht definierten Standort an der A38 und zuletzt sogar einem ebenso wenig definierten Gewerbegebiet mitten im Revier verunsichere die Menschen. Laut Robby Risch könnte Weißenfels mit dem seit Jahren geplanten Gewerbegebiet „Am Sandberg“ ein wichtiger Baustein bei der Bewältigung des Strukturwandels sein. Schließlich seien die Infrastruktur und die Verkehrsanbindung vor Ort ideal. Der Oberbürgermeister betonte aber auch, dass er die aktuelle Situation als Vakuum empfinde und bei einer derartigen Gemengelage den Bürgern das millionenschwere Risiko eines Flächenerwerbs und einer Erschließung des Areals nicht vorschlagen werde.

Die Sorgen und Wünsche der Weißenfelser wird Landesministerin Claudia Dalbert mit nach Magdeburg nehmen. Der Strukturwandel sei auch im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie ein zentrales Thema. Schließlich umfasst das Klimaschutzziel für Deutschland eine verbindliche Emissionsreduktion von 40 Prozent bis zu Jahr 2030. Laut Dalbert könnte der Kohleausstieg bei der Erreichung des Ziels eine entscheidende Rolle spielen. Die Ministerin betonte aber, dass es in Sachsen-Anhalt trotz dessen keinen vorzeitigen Kohleausstieg geben wird. Vielmehr solle der Strukturwandel aktiv gestaltet werden. Hierfür seien jedoch umfassende finanzielle Hilfsmittel notwendig. Auf die drängende Forderung von Oberbürgermeister Robby Risch antwortete Claudia Dalbert mit einem konkreten Termin: Am 20. Februar 2019 wird die Kohlekommission ihre Ergebnisse vorstellen. Diese dürften nicht nur vom Weißenfelser Stadtoberhaupt mit Spannung erwartet werden.

Fotos:

-Oberbürgermeister Robby Risch (l.), Stadtratsvorsitzender Jörg Freiwald (r.) und Weinprinzessin Ann-Kathrin Fischer überreichten Ehrennadeln an Margrit Franke, Lothar Wolff und Olga Polienko (v.l.n.r.).

-Knapp 150 Gäste waren der Einladung von Oberbürgermeister Robby Risch zum Neujahrsempfang der Stadt Weißenfels ins Kulturhaus gefolgt.

-Die Schülerinnen und Schüler des Goethegymnasiums stellten im Rahmen des Weißenfelser Neujahrsempfangs Stücke aus ihrem neuen Musical „Robin Hood“ vor.
Fotografin: Katharina Vokoun

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